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...kennt Ihr das
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Da hat man
eine Gitarre. Eine schöne und geliebte Gitarre. Und man pflückt Tönchen für
Tönchen von den Saiten, setzt sie liebevoll zu einem Ganzen zusammen und
erfreut damit Herz und Seele. Und nicht nur die eigene, auch die der
Liebsten, Freunde, Verwandten und anderen zuhörenden Gemeinschaft. Dann
kommt der Tag, da spielt man mit einem anderen virtuosen Gitarristen
zusammen ein lustiges Lied, so mit Gesang und Klatschen, welches – gemäß der
Wahrscheinlichkeit der vier Biere – etwas lauter, eindringlicher und
hurtiger intoniert wird. Man zupft, wechselt zum Plektrum und wird am
Anschluss gefragt: „Toll, aber warum hast Du nicht mitgespielt?“ Nachdem
einem nun das bierselige Lächeln entglitten ist, entschließt man sich,
diesen Satz nicht persönlich zu nehmen.
Doch nein! Er bohrt noch nächtens, zwischen guten und bösen Träumen. Und ein
Entschluss wächst und reift, bis er dann eines Abends – bei einem Gläschen
Rotwein und Kerzenlicht – als Nebenfrage geboren wird: „Du, Schatz, ich
möchte mir gerne eine andere akustische Gitarre kaufen…“ Bei jedem Wort
schaut man, ob das da gewesene süße Lächeln einfriert oder noch so lieblich
ist, wie vor 5 Minuten. Immerhin reden wir von Geld, Platz und Rückstellung
anderer Wünsche. Nachdem noch keine dramatische Änderung der Mund- und
Augenwinkel stattfand, beginnt man, seinen Wunsch fundiert zu begründen.
Das hat sie dann auch gleich eingesehen… denkt man und verkneift sich
den neuesten Witz, den man von Günter Jauch gehört hat ( der mit dem Mut und
dem Besen…).
Soweit so gut. Diese Hürde ist genommen. Nicht, dass
ich mir Gedanken machen müsste… Immerhin lebt meine Liebste ja mit zwei
Gitarristen in einem Haushalt und kennt unsere Sorgen, Nöte, Probleme und
Wünsche schon, bevor wir sie aussprechen. Dem Himmel sei Dank für so
eine Frau….
Nun geht es darum, diesen Wunsch auch umzusetzen.
Klar ist: Dreadnought, Cutaway, Pickup! Zur Ergänzung des Klangspektrums.
Und die familiäre Freigabeerklärung lässt ausreichenden finanziellen
Spielraum.
Welche Gitarren kommen in Frage? Martin, Taylor und
eh…. Ja, eh…. Ein vorangegangener Versuch, eine unbekannte Garrison
irgendwas25 mit Cut günstig zu ersteigern, ging jämmerlich daneben. Ich
entscheide mich für eine Takamine, weil ich dieser Marke vertraue und sie im
Preis- Leistungsverhältnis gut finde. Also rufe ich das Musikhaus meines
Vertrauens an, lasse mir einen Preis geben und versuche herauszubekommen, wo
es eine zum Probespielen gibt. Nächste Chance in Hannover. Eine Nashville
mit Palisander. Fein, fahren wir da mal hin… und… meine linke Hand sagt
spontan ein klares NEIN, obwohl der Klang sehr schön ist. Einzig eine Taylor
514 CES kommt in die nähere Auswahl...
OK, Anruf bei unserem Dealer: "Ihr habt doch noch
eine ältere Takamine in Echtholz da, baut mir mal den neuen Cool Tube ein.
Könnt ihr mir die schicken??" Kein Problem, warten, auspacken, stimmen und…
"…klingt ja wie deine andere… - bissele schlapp auf der Brust – kaum Bass… -
mal Bronzesaiten nehmen…“ Also auch hier nicht das Prickeln, das einen Kauf
rechtfertigen würde.
„Fahr doch mal zu Karsten“, sagte meine Liebste. Und
Karsten, bei dem ich mir schon
einmal eine Konzert bauen ließ, stellte mir gleich ein paar Gitarren ( ohne
Preisschildchen ) im Halbkreis auf, nachdem ich meine Wünsche äußerte. Er
kennt mich seit vielen Jahren, weiß was ich wie spiele und grinste nur vor
sich hin. „Mache dich frei von der Form, mache dich frei vom Aussehen und
mache dich frei vom Preis“, sagte er nur, und er wisse ziemlich genau,
welche Gitarre übrig bleibt. „Lass Hände und Ohr entscheiden, du wirst
staunen!“
Jetzt komme ich gerade zur Tür herein. Mit dem neuen
Pummelchen. Und das Pummelchen hat keine Elektrifizierung, keinen
Cutaway, keinen 14-Bund-Hals. Und Karsten sagte nur: „Siehste, hätte
ich dir gleich sagen können.“
Pummelchen ist wirklich witzig. Die beste Martin
12-fret, die ich je gespielt habe. Nur, dass sie von Stanford ist und den
Namen RD-5-Vintage trägt. Es gibt da noch eine OM-5-Vintage, die eigentlich
eine OOO28 Clapton ist. Sie kostet auch so um 1000, ist eine Wucht, klingt
amtlich und fasst sich auch so an. Gerne hätte ich beide genommen, da der
Furch nur sehr spärlich ausliefert und mein Gitarrenbaumeister sie alle nur
handverlesen in den Laden nimmt. Aber der liebe Geldbeutel hat mich noch
einmal eindringlich an den 18. Geburtstag meines "kleinen" Filius gemahnt
und darum steht dieser Lustkauf recht weit am
Ende meiner langen Liste. Zudem hätte ich eine echte Erklärungsnot gegenüber
meiner Liebsten.
Alle freiwilligen und unfreiwilligen Zuhörer meiner
"Findung" waren einhellig der Meinung, dass genau diese Gitarre, die
RD-5, richtig für mich und meinen Stil ist. Ich habe da so ein paar Gitarren
herumstehen gehabt, ohne Vorauswahl des Klangs, des Korpus oder der
Preislage. Dann habe ich auf allen Gitarren das gleiche Stück gespielt. Und
Pummelchen hat den 1. Preis gemacht, trotz der "nur" 1100 Euro. Sehr eng war
eine Albert und Müller dabei, die besagte Stanford-Clapton und eine Larrivée.
Zuletzt blieben die beiden Stanfort, die aufgrund der gediegenen Form, der
individuellen Kopfplatte und des Handlings am ehesten meinen Vorstellungen
entsprachen. Die Entscheidung trafen wir aufgrund des absolut vollen Klangs
der RD-5, der meinem Spielstil schmeichelte. Die Daten: 12-Bund Dreadnought,
Sitkafichte / Palisander, Mahagonihals / Ebenholzbrettl ( 45mm am Bund ), 19
Bünde. Prinzipiell, so der
Artikel der AG,
ist es eine Martin aus den 40ern mit Modifizierungen. Unter dem Strich
gesagt:
Eher kurz und leicht rund
um die Taille, mit etwas abfallenden Schultern, von der Bauart leicht
veraltet und eine Vorliebe für die alten Lieder... das passt doch zu mir.
Und kaum das, was ich noch vor 7 Tagen als Idealgitarre sah.
Allerdings hat es auch einen Punkt, den man nicht
verschweigen sollte: Die RD kann bislang nur LAUT oder leise.
Dazwischen ist fast nichts. Bei LAUT gibt es kein "Pleng" oder "Plopp"
und alles kommt, wie es soll. Und bei leise ist alles sehr
einschmeichelnd und sanft. Ich habe noch nicht alle Varianten (
Plektrumstärken, Anschlagtechniken ) probiert, aber ich bin davon überzeugt,
dass mein ( zeitweiliger ) Gitarrenmitspieler mich nicht mehr „niederspielen“
wird. Da, wo meine Takamine-Jumbo nur ein schwächliches "Pläng" herauswürgt,
macht Pummelchen ein deutliches PLOIIIIING Ha, soll er nur kommen,
Pummelchen und ich werden dabei sein! Und die mittleren Lautstärken
kommen mit der Zeit, da bin ich mir sicher.
Ich habe mir noch einen schönen GEWA-Koffer gegönnt,
damit die Kleine es auch hübsch mollig hat. Und nun steht sie hier und
wünscht ausgepackt und angefasst zu werden. Pummelchen sollte sich jetzt
akklimatisiert haben. Mal sehen / hören, wie sie sich im Wohnzimmer
macht.... |
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